Heimspielauftakt gegen den Liga-Neuling

Heimspielauftakt gegen den Liga-Neuling
Sport

Brose Bamberg trifft im Spiel der Unwägbarkeiten auf Chemnitz

Nach einer fast eineinhalbwöchigen Spielpause kehrt Brose Bamberg aufs Basketball-Parkett zurück – und dieses Mal sogar auf das eigene. Am Donnerstagabend erleben die Oberfranken ihre Saison-Heimpremiere – leider natürlich vor leeren Rängen. Ab 19 Uhr ist dabei der BBL-Aufsteiger NINERS Chemnitz, der sein Erstligadebüt feiert, zu Gast.

Die Partie zwischen Bamberg und Chemnitz hätte eigentlich schon am vergangenen Samstag zur Austragung kommen sollen, doch – wie schon so oft in der noch jungen Spielzeit gesehen – machte Corona dem BBL-Spielplan einen Strich durch die Rechnung. Die Sachsen kämpfen bereits seit mehreren Wochen mit dem SARS-CoV-2-Virus, der die Truppe von Aufstiegscoach Rodrigo Pastore gleich zwei Mal in Quarantäne schickte. Die letzte endete dabei eben an jenem vergangenen Samstag. Doch ganz virenfrei sind die Chemnitzer immer noch nicht. Mit Malte Ziegenhagen, Dominique Johnson, Filip Stanic und Luis Figge wurden zuletzt immer noch vier Akteure positiv getestet und standen ihrem Coach im Training nicht zur Verfügung. Da auch unklar ist, ob die genannten Spieler am Donnerstag eingesetzt werden können, waren die NINERS entsprechend verwundert über die kurzfristige Ansetzung dieses Nachholspiels. “Es ist wie es ist. Wir können es nicht ändern. Wir wollten da oben hin, jetzt müssen wir mit der Situation umgehen. Die Spiele wurden verlegt, jetzt stehen wir vor unserem ersten Bundesligaspiel”, nimmt NINERS-Trainer Pastore die aktuelle Situation in einem Interview mit dem MDR sportlich. Der argentinische Cheftrainer, der die Sachsen mit einem sehr uneigennützigen Spielstil zum Aufstieg führte, weiß trotz der personell angespannten Situation, dass seine Mannschaft beim ersten BBL-Spiel der Vereinsgeschichte nichts zu verlieren hat. “Wir gehen ohne Druck in die Partie, können endlich Erstligaluft schnuppern und möchten unsere BBL-Premiere genießen.”

Deutschen Kern zusammengehalten

Einen positiven Aspekt muss man zugunsten der Chemnitzer, die in der ProA-Saison pro Spiel mit 26 Assisis glänzten und Pastores Spielstil perfekt umsetzten, anführen. Der Kern der Aufstiegsmannschaft konnte gehalten werden: Acht Akteure konnte man über den Sommer mit in die Bundesliga nehmen, diese spielen also seit mindestens einem Jahr bereits zusammen. Mit Filip Stanic, der BBL-Fans noch aus seiner Zeit in Erfurt und Oldenburg bekannt ist, kam lediglich ein neuer deutscher Spieler ins Aufgebot. “Chemnitz ist eine sehr talentierte Mannschaft. Vor allem die deutschen Spieler kennen sich gut, haben mit dem Bundesligaaufstieg etwas Großes geschafft und tollen Basketball in der ProA gezeigt. Das werden sie auch in der BBL tun”, warnt Kenny Ogbe davor, den angeschlagenen Liga-Neuling zu unterschätzen. Bambergs Guard geht sogar so weit und nennt die NINERS als potenzielles Überraschungsteam der Liga. Dieses musste dafür bei den ausländischen Spots wesentlich mehr tun. Abgesehen von Virgil Matthews sind alle ausländischen Akteure neu: Terrell Harris, George King, Isiaha Mike und Marcus Thornton. Zuletzt wurde mit Wes Clark ein Nachfolger für den in der Vorbereitung aussortierten und mittlerweile zum polnischen Erstligisten Gliwice gewechselten Shannon Bogues präsentiert.

Mankobeseitigung und Spielerintegration

Auf Seiten Brose Bambergs stellt sich die ganze Situation anders dar. Coach Johan Roijakkers kann für das erste Heimspiel der Saison personell aus dem Vollen schöpfen. Bedeutet, auch Kenny Ogbe, der die letzten zwei Partien in Hamburg und Bilbao verpasste, ist nach der Geburt seiner Tochter wieder ins Training zurückgekehrt. Der Rest des Kaders hatte nach dem Bilbao-Spiel zwei Tage frei, ehe man am Samstag wieder den Trainingsbetrieb aufnahm. Hierbei konzentrierten sich Roijakkers und sein Coaching Staff darauf, das Manko der letzten beiden Partien in den Griff zu bekommen. Das Reboundduell wurde beide Male deutlich verloren, vor allem gestatteten die Bamberger ihren Gegnern zu viele Offensivrebounds, die diese wiederum zu einfachen Punkten nutzen konnten. Denn abgesehen von der Reboundarbeit macht die oberfränkische Abwehrreihe bislang einen guten Job. Gerade einmal 85,6 Punkte bei 100 Ballbesitzen des Gegners lassen die Bamberger zu und erzielen damit derzeit einen Topwert in der BCL.

Daneben stand natürlich auch die weitere Integration von Devon Hall auf der Agenda. Der jüngste Brose-Neuzugang hat aber bereits in Hamburg (13 Punkte, sieben Rebounds, zwei Assists) und Bilbao (zehn Punkte, vier Rebounds, ein Assist) gezeigt, dass er sich schon gut akklimatisiert hat. Immer besseren Zugriff auf die Bamberger Spielsysteme findet auch Norense Odiase, dem man zu Saisonbeginn seine dreiwöchige verletzungsbedingte Pause während der Vorbereitung deutlich angemerkt hat.

Vorbereitung auf Chemnitz: Zu viele Unwägbarkeiten

Eine detaillierte Vorbereitung auf den kommenden Gegner erwies sich indes als äußerst schwierig. “Wir wissen um die schwierige Situation von Chemnitz. Videos von ihnen gibt es nur wenige, und die, die es gibt, sind vom Beginn der Vorbereitung und daher wenig aussagekräftig. Daher ist eine Einschätzung schwer. Chemnitz ist ein neues Team in der BBL, hat einen Trainer, der noch nie in der BBL gecoacht hat”, fasst Broses Übungsleiter Johan Roijakkers die Situation rund um die Chemnitzer, die ihre letzten drei Testspiele allesamt absagen mussten und somit ohne anständigen Spielrhythmus antreten, zusammen. Aufgrund dessen blieb dem Niederländer ja nichts anderes übrig, als den Fokus voll und ganz auf die eigene Truppe zu legen. “Wir müssen unsere Verteidigung spielen, müssen gut im Angriff agieren, müssen Teambasketball zeigen”, fordert Roijakkers.

Die kurzfristige Neuansetzung der Begegnung des zweiten Spieltags hat für Brose Bamberg auch unmittelbare Auswirkung auf den dritten. Diesen hätten die Oberfranken am Freitagabend bei den HAKRO Merlins Crailsheim eröffnen sollen. Diese Partie wurde nun ebenfalls verschoben und findet zwei Tage später (Sonntag, 22.11.20, 20:30 Uhr) in der Arena Hohenlohe statt.

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Hintergrundbild: Matthias Schramm