Interview mit Wolfgang Heyder, Aufsichtsratsmitglied des FC Eintracht Bamberg

Interview mit Wolfgang Heyder, Aufsichtsratsmitglied des FC Eintracht Bamberg
Sport

Wolfgang Heyder in Bamberg den Bambergern vorstellen hieße Eulen nach Athen tragen. Höchst erfolgreicher Unternehmer, „Macher“ des Bamberger Basketballs, Sportmanager, Kommunalpolitiker, Triebfeder von goolkids e.V. und Aufsichtsratsmitglied beim FC Eintracht Bamberg 2010 e.V.. Legendär sind seine E-Mails, die nachts um 4.23 Uhr ankommen, oder sein Temperament und seine Konsequenz, mit der er Projekte angeht – und dabei auch Visionen vorgibt, die seinen Mut und Weitblick zeigen. Aber lesen Sie selbst…

Wolfgang, wie ist eigentlich deine Verbindung zum FC Eintracht Bamberg zustande gekommen?

Mich haben vor über zwei Jahren Sascha Dorsch und Jörg Schmalfuß gefragt, ob ich mir vorstellen kann, nach dem durchlaufenen Insolvenzverfahren beim Wiederaufbau und der Neuausrichtung des Vereins als Aufsichtsrat zur Verfügung zu stehen. Da ich einfach zu viel Zeit habe, habe ich zugesagt. Nein, Spaß beiseite. Zum einen habe ich das große Potential gesehen, das der FC Eintracht Bamberg immer noch hat. Zum anderen kannte ich beide schon vorher als sehr zuverlässig und überzeugende Menschen, die unglaublich engagiert und kompetent arbeiten. Die beiden Punkte zusammengenommen, habe ich gerne zugesagt.

Der FCE hat in den letzten drei Jahren eine sportliche Erfolgsgeschichte geschrieben. Worin siehst du Gründe dafür?

Wenn sich sportliche Projekte gut entwickeln, findet man häufig den Ansatz, den ich beim FCE in den letzten drei Jahren auch erlebt habe: es wurde ein kontinuierlicher und gezielter Aufbau geleistet, ohne dass dabei der dritte Schritt vor dem ersten getan wurde. Ohne wenn und aber wurde hier konsequent auf den eigenen Nachwuchs gebaut und dies bis heute durchgezogen. Dazu brauchst du natürlich auch Jugendliche, die entsprechend gut ausgebildet sind. Das war und ist sicher eine Kernkompetenz des Vereins. Schließlich gab und gibt es mit Michael Hutzler hier auch einen Trainer, der nicht nur mit den jungen Spielern arbeiten kann, sondern das auch will. Das ist ein ganz entscheidender Punkt: dein Coach muss dieses sportliche Konzept leben und ausstrahlen. So gelang es aus meiner Sicht auch, eine Identität bzw. auch Marke aufzubauen, die nach Außen glaubhaft kommuniziert werden kann. Und schließlich: gerade in meiner Funktion als Aufsichtsrat des Vereins war und ist es mir und meinen Kollegen dort wichtig, dass auch nur das Geld ausgegeben wird, das vorhanden ist.

Bei aller Freude über das Erreichte: an welchen Schrauben muss der FCE in der nächsten Zeit noch drehen?

Ich denke man kommt um die Hauptamtlichkeit in der Organisation und Vermarktung nicht herum, wenn der nächste Schritt gelingen soll – zumindest step by step. Dazu gehört für mich auch die Ausgliederung der Vermarktung und danach auch des Spielbetriebs der ersten Mannschaft in eine Kapitalgesellschaft. Das soll die Wertigkeit des e.V.´s keineswegs schmälern. Ist aber für mich – und das war ja die Frage – eine Konsequenz, die jeder Verein gehen muss, der sich entwickeln will.

Die Basis dafür bildet eine Erhöhung des Budgets. Dazu brauchst du aus meiner Sicht mindestens zwei weitere Hauptsponsoren, die evtl. auch als Gesellschafter einsteigen können., damit das talentierte Team erhalten bleibt und punktuell verstärkt werden kann. Ist all das gemacht, kann man sich Gedanken machen, ob die Bayernliga die Endstation ist.

Wolfgang, da trauen wir uns kaum noch die nächste Frage zu stellen: welche Vision siehst du für den FCE?

Visionen haben die schöne Eigenschaft, das sie noch in weiter Ferne liegen und vielleicht auch ein Ziel sind, das man nur schwer oder gar nicht erreicht. Aber wenn ihr so fragt – und ich liebe es, groß zu denken: warum soll in Bamberg nicht ein Drittliga-Aufstieg möglich sein? Dann müssen sicher viele Kräfte gebündelt werden, aber warum nicht? Die Nachwuchsarbeit in Bamberg ist sehr gut, Sponsoren kann man finden. Aber wie gesagt. Step by step… Dazu gehört natürlich auch, dass die Stadt Bamberg ihre Hausaufgaben macht. Der Umgang mit dem Stadionthema in der Vergangenheit passt ja schon eher in die Kategorie Realsatire.

Gibt es in Deutschland, gerne auch sportartunabhängig, einen Verein, den du dem FCE als Vorbild nennen könntest und warum?

Auch wenn es die „Cluberer“ im Stadion nicht gerne hören werden. Der FC Bayern macht da in fast allen Bereichen vieles richtig gut. Aber Bamberg ist nicht München, für mich ist der SC Freiburg voll-umfänglich ein vorbildlicher Verein. Hier sieht man in Exzellenz, das Geld nicht die Hauptrolle spielen muss und dass man mit einer hervorragenden Jugendarbeit ganz viel erreichen kann. Aber das wird nun ein abendfüllendes Thema…

Text: Pressemitteilung FC Eintracht Bamberg 2010 e.V.