Bierflaschen weg, Fahrräder auch!

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Alkoholverbot auf dem Bahnhofsvorplatz in Bamberg

Gleich, wenn der gerade in Bamberg angekommene Bahnreisende den Bahnhof verlässt und die Ludwigstraße überquert, stellen sich ihm zwischen Post, dm-Markt und teegut wild zusammengestellte Fahrräder und trinkende Personen zur Schau. Nach Meinung der Stadt kein gutes Aushängeschild für die Weltkulturerbestadt. Mit einer am 1. Januar 2018 in Kraft tretenden Satzungsänderung, die am dortigen Platz Alkoholverbot vorschreibt, soll das Erscheinungsbild verschönert werden.

“Ich passiere diesen Platz täglich, wenn ich zu meiner Arbeit fahre. Mir scheint, dass es eine Art Treffpunkt geworden ist für Menschen, die aus welchen Gründen auch immer – zum Nichtstun verurteilt oder gar wohnungslos sind. Ich würde es begrüßen, wenn die Stadt diesen Menschen hilft, Arbeit, Wohnung oder einen Ort zu finden, an dem sie sich aufhalten können. Stellen Sie sich vor, der Platz wäre schön begrünt, überall stünden Bänke – und alle diejenigen, die heute hier ‘abhängen’, würden sich nicht aus Not, sondern freiwillig und gerne zum Gespräch dort treffen”, Annette Pöhlmann, Bambergerin und Dozentin an der Universität Würzburg, beobachtet das Treiben auf dem Bahnhofvorplatz schon geraume Zeit. Natürlich lächelt sie ob ihrer Utopie. Aber eine Utopie ist ja dazu da, um an ihr zu arbeiten. Hausaufgabe also für die Stadt.

Problemverlagerung oder wirkliche Hilfe?

Auch den meisten ansässigen Ladenbetreibern sind die Trinkenden, aber auch die Fahrradanhäufung ein Dorn im Auge. Es ist einfach nicht schön, wenn man als Passant sowohl durch diese Personengruppen hindurch muss oder die Reihe der zum Teil umgestürzten Fahrräder in Augenschein nimmt. “Derartiges lädt nicht zum Verweilen oder Einkaufen ein”, so die Meinung der Geschäfteführenden.

Laut Stadt sollen nicht nur die Symptome bekämpft werden, sondern auch präventiv gearbeitet werden. Solche Schritte wären zu begrüßen, denn Suchtkranke benötigen Hilfe und keine Verdrängung. Da die Polizei-Inspektion Bamberg-Stadt das Alkoholverbot auf dem Vorplatz des Postgebäudes ausdrücklich begrüßt, wird sie wohl ein waches Auge auf dessen Einhaltung haben und das Verbot helfen, in der Praxis durchzusetzen.

Weniger Alkoholkonsum durch öffentliche Verbote?

Eine wissenschaftliche Begleitung von Alkoholverboten der Australierin Amy Pennay aus Melbourne kommt zu dem Schluss, dass derartige Sanktionen nicht unbedingt dazu führen, weniger Alkohol zu trinken. Wenn beispielsweise Obdachlose Strafgelder aufgrund von öffentlichem Alkoholkonsum bezahlen müssen, verschärfe das die Problematiken nur anders. Sie werden dann ins Private gedrängt und auch hier wird – ohne soziale Kontrolle – fleißig weitergemacht.

Bleibt abzuwarten, ob es der Stadt Bamberg eher um die Gesundheit und Sozialisation der Bevölkerung geht, oder ob das öffentliche Erscheinungsbild und das Ziel, Ordnung in der Domstadt herzustellen, die eigentlichen Probleme aus den Augen verlieren. Und was das chaotische Abstellen der Fahrräder betrifft: Wie wäre es, wenn die Verantwortlichen hier einfach ein paar mehr Radständer aufstellen würden?

Foto: Maximilian Hetzelein