Dicke Luft in Bamberg: Jetzt sollen die Bürger aktiv werden

Dicke Luft in Bamberg: Jetzt sollen die Bürger aktiv werden
Nachrichten

Bürgermessnetz für Verbesserung der Feinstaubwerte

Gesundheit hat einen hohen Stellenwert, natürlich auch in Bamberg. Die Gesundheitsmesse, viele Grünflächen und Sportmöglichkeiten sind ein paar Beispiele für das Gesundheitsbewusstsein in der Domstadt. Das ist positiv und soll auch so bleiben. Entspricht die Luft aber auch den Feinstaubnormwerten?

Nimmt man diese genau unter die Lupe, gibt es hier einige Auffälligkeiten. Denn Unmengen an Autos und anderen Emittenten tragen dazu bei, dass die Feinstaub-Grenzwerte immer wieder überschritten werden. Allein in diesem Jahr lagen diese bereits an elf Tagen über der Norm. Teilweise war die Luft nicht nur “schlecht” (über 50 µg Feinstaub PM10 pro m3 Luft), sondern “sehr schlecht” (über 100 µg Feinstaub PM10 pro m3 Luft).

Das offizielle Bamberger Messgerät zur Feinstaubmessung steht mitten in unserer größten Frischluftschneise am Main-Donau-Kanal. Es wird vom Bayerischen Landesamt für Umwelt betrieben. Die Messgeräte sind extrem teuer, insofern existiert in Bamberg auch nur dieses eine.

Aber die hier gemessenen Werte täuschen ob ihres Standplatzes. Dabei ist die Luft in Bamberg schon lange schlecht. Schon im Jahre 1929 stellte Professor Dr. Ernst Zinner, Direktor der Remeis-Sternwarte und Bewohner der Dienstvilla auf dem Gelände, dies fest. Oft konnte er die Häuser der Stadt nur undeutlich erkennen, weil eine dicke Dunstglocke über der Stadt hing, die tagelang nicht weichen wollte. “Die Ursache der starken Nebel- und Dunstbildung über der Stadt ist die starke Verunreinigung der Luft durch Rauch- und Rußteilchen, die infolge der nach Süden, Südwesten und Westen steil ansteigenden Höhen von den vorherrschenden Süd-bis-Westwinden nicht erfasst und fortgeführt werden können”, so Zinner damals. Egal, was damals oder heute verbrannt wird – Benzin oder Diesel, Holz oder Kohle, Gas oder Öl – die Abgase bleiben und verunreinigen die Luft.

Jetzt kommt aber Bewegung ins Spiel: Es gibt die Möglichkeit, ohne großen Aufwand die Luftqualität selbst zu messen und die Daten in eine Internet-Karte einzuspeisen: http://deutschland.maps.luftdaten.info/. Auf dieser Karte ist Bamberg noch ein weißer Fleck. Das soll sich aber bald ändern.

Appell an umweltbewusste Bürger

Dr. Gabriele Wiesemann ist gerade dabei, umweltbewusste Bürger aufzurufen, sich an der Feinstaubmessung in Bamberg zu beteiligen.

Sie hofft auf viele Mitstreiter für ein Bürger-Messnetz, denn das Mitmachen ist ganz einfach und das Ziel lohnenswert. Dank einer Stuttgarter Initiative können jetzt Messgeräte einfach und kostengünstig selbst gebastelt werden. Anschließend liefern sie Daten in Echtzeit – und zwar nicht nur am Standort Main-Donau-Kanal, sondern beispielsweise vor der eigenen Haustür oder in städtischen Problemzonen. Letztlich geht es darum, das Bewusstsein aller Beteiligten, wie das der Bürger, der Verwaltung und der Politik zu schärfen.

Am 22. April wird es einen Workshop geben, in dem Messgeräte hergestellt werden können. Anleiter ist Frank Riedel, Mitstreiter im Open Knowledge Lab Stuttgart. Er hält einen Vortrag über die Ziele der Stuttgarter Initiative und gibt eine professionelle Anleitung zur Anfertigung der Messgeräte.

Ein Bausatz kostet circa 37 Euro, Abgabe solange der Vorrat reicht. Um eine Spende für die Reisekosten des Referenten wird gebeten.

Auskünfte zum Thema unter https://www.transition-bamberg.de/ oder bei Gabriele Wiesemann unter g.wiesemann@t-online.de.

Foto: OK Lab Stuttgart