Wieder ein Fest weniger in Bamberg

Wieder ein Fest weniger in Bamberg
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Nach 15 Jahren Aus für Canalissimo

War es für Tom Land, Veranstalter von Canalissimo, bereits letztes Jahr eine Hürde, das schöne Fest in Bamberg wieder aufzulegen, so streicht er dieses Jahr gänzlich die Segel. 2020 fällt das Fest am linken Regnitzarm tatsächlich den hohen Auflagen seitens der Stadt Bamberg zum Opfer. Dass nun der Corona-Virus ohnehin Großveranstaltungen verhindert, ist allenfalls das i-Tüpfelchen der ganzen Geschichte, aber keinesfalls die Ursache.

Canalissimo 2019 - ein Desaster

Leere Tische und Bänke – so sah Canalissimo 2019 aus, 2020 fällt das beliebte Fest nun komplett aus.

“CANALISSIMO 2020 FINDET NICHT STATT! Aufgrund verschiedener Hindernisse seitens der Stadt, der Behörden und der Anwohner muss das Canalissimo 2020 leider ausfallen! Wir haben alles versucht, jedoch stoßen unsere Bemühungen, dieses schöne Fest zu retten, auf taube Ohren. Wir sehen uns außer Stande, das Fest so, wie es verlangt wird, zu veranstalten. Wir sind gerne bereit, nochmals zu verhandeln, jedoch ist es uns unter den aktuellen Auflagen leider unmöglich, das Fest stattfinden zu lassen! Wir bitten um Verständnis”, heißt es auf der Facebookseite von Canalissimo.

Keine Canalissimo-Wiederauflage

Wenig Publikum, leere Tische und Bänke, kein Gedränge an den Ständen – das Canalissimo konnte letztes Jahr nicht mit einem Besucheransturm punkten. Grund waren die ewigen Debatten im Vorfeld, die damit einhergehenden Auflagen in Form von einem Besucher-Zählsystem, einem Besucherlimit und Eintrittsgeldern. Schon während des Festes stellte sich die Frage, ob es im kommenden Jahr überhaupt eine Wiederauflage geben wird. Nein – heißt nun die Antwort.

Zahlen und Fakten

  • Seit 15 Jahren gibt es Canalissimo. Nun, 2020, ist Schluss.
  • Die Besucherzählanlage, 2019 zum ersten Mal im Einsatz, kostete Tom Land (Veranstalter seit 2006) 15.000 Euro.
  • Mit weiteren Ausgaben gibt Tom Land eine Summe von 65.000 Euro an, die er aufbringen musste. Er fahre einen fünfstelligen Verlust ein.
  • Nicht nur die Besucher machten sich rar, auch einige Standbetreiber hatten aufgrund der Auflagen ihre Beteiligung abgesagt.
  • 36 Anwohner hatten sich über die angebliche Lärmbelästigung durch das Fest beschwert, worauf die Stadt reagierte. Fazit: maximal 1.800 Besucher, höchsten 767 auf der Anwohnerseite.

Ein kleiner Hoffnungsschimmer?

Canalissimo 2019 - ein Desaster

Trotz Lands rigoroser Absage räumte er ein: Wenn seitens der Stadt doch noch Zugeständnisse kämen, sei er gesprächsbereit. Aber aufgrund der Kommunalwahl ist Ordnungsreferent Ralf Haupt, der genauso wie der Zweite Bürgermeister Christian Lange, für Kompromissgespräche dringend gebraucht wird, derzeit sehr beschäftigt. Dennoch brüskierte sich Haupt, dass er von Land seit August nichts mehr gehört habe und auch, dass er zuerst aus dem Radio die Absage erfahren musste.

Viel böses Blut! Traurig, aber wahr: Vielleicht löst ja eine andere ‘Auflage’ das Problem: Wegen der Ausbreitung des Corona-Virus‘ untersagt der Freistaat Bayern ab 10. März Veranstaltungen mit mehr als 1.000 Personen zunächst bis einschließlich 19. April. Bis Juli, dem Canalissimo-Veranstaltungsmonat, fließt zwar noch viel Wasser die Regnitz, Pardon!, die Donau hinunter. Bleibt zu hoffen, dass bis dahin zumindest der Corona-Virus eingedämmt ist. Vielleicht sind die Menschen – allen voran die ablehnenden Anwohner, die Stadträte und die Gäste aus nah und fern – dann wieder in Feierlaune und vergessen ihre bürokratische Einstellung.

Fotos: Frank Märzke & Jofrey Kollmann