Welterbe Bamberg wird um jüdisches Denkmal reicher

Welterbe Bamberg wird um jüdisches Denkmal reicher
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Dokumentationszentrum zur Mikwe am Montag feierlich Eröffnet.

Im Herzen des Welterbes Bamberg ist in den letzten Jahren das „Quartier an den Stadtmauern“ entstanden – ein lebendiges Viertel mit Wohnen, Leben, Übernachten, Arbeiten und Einkaufen.

Mikwe EinweihungAuf dem Areal befinden sich neben Stadtmauerresten aus dem 13. und 15. Jahrhundert und weiteren Einzeldenkmälern eine Mikwe (jüdisches Ritualbad) aus dem ersten Drittel des 15. Jahrhunderts und ein barockes Wohnhaus aus dem 18. Jahrhundert, für das jüdische Bewohner nachgewiesen sind.

Beide Denkmäler sind steinerne Zeugen der jüdischen Geschichte in diesem Viertel. Um das jüdische Leben in historischer Zeit zu vermitteln, wurde am authentischen Ort der Mikwe ein kleines Dokumentationszentrum entwickelt, das Montag eröffnet wurde (früher Hellerstraße 19, jetzt An den Stadtmauern 5-7). Für die Öffentlichkeit wird es ab 5. April jeden Sonntag von 14-17 Uhr geöffnet sein.

Mikwe EinweihungDr. Thomas Goppel, Staatsminister a. D. und Vorsitzender des Landesdenkmalrats, verdeutlichte in seinem Grußwort: „Wenn wir weiter bemüht sein wollen und sollen, unsere Herkunft zu beschreiben, damit wir die Grundlagen unserer Zukunft gesichert wissen, dann müssen die Steine, die wir hüten, auch aus der Tradition heraus ihre Geschichten erzählen und den Nachweis liefern (wollen), die Erinnerungen daran wach zu halten, oft auch zu pflegen.“ Und weiter: „Die Mikwe in Bamberg zählt – das dürfen wir heute behaupten – zu den besten Lebensweisebelegen, die wir dokumentieren konnten. So funktioniert sie, die Erinnerungskultur, die wir brauchen, wenn wir jedem Status der Gegenwart ‚Leben in der Zeit‘ garantieren wollen.“

Von der spätmittelalterlichen Mikwe ist der Treppenabgang erhalten. Das Tauchbecken ist archäologisch nachgewiesen, wurde aber nicht ergraben, da es unter einer Außenmauer des Gebäudes liegt, es bleibt „in situ“ geschützt. In der Ausstellung wird ein Teil des Treppenabgangs zu sehen sein, sieben Stufen sind freigelegt, während die anderen aus statischen Gründen verfüllt bleiben.

Oberbürgermeister und Verwaltungsratsvorsitzender Andreas Starke freut sich über das neue Dokumentationszentrum zur Mikwe: „Trotz der enormen, baulichen Herausforderungen ist es gelungen Bambergs Welterbe noch reicher zu machen. Ich danke allen Beteiligten für ihr Engagement und der Sparkasse für den verantwortungsvollen Umgang mit unserer
Geschichte.“

Mikwe Einweihung

Auf dem Foto: v.l. Vorstandsvorsitzender Stephan Kirchner, Oberbürgermeister Andreas Starke, Sandra Simovich, Generalkonsulin des Staates
Israel, Landrat Johann Kalb.

In einem Erklärfilm wird die Geschichte des jüdischen Viertels in diesem Areal bis ins 18. Jahrhundert erzählt werden. Die beiden Boden- und Baudenkmäler – Mikwe und barockes Wohnhaus – sind baulich miteinander verbunden, aber nicht zeitlich. Die Mikwe wurde um 1500 nicht mehr genutzt und verfüllt. Das barocke Gebäude, das im Inneren eine außergewöhnliche Qualität von Stuckarbeiten und Ausmalungen aufweist, entstand im 18. Jahrhundert und war von gewerbetreibenden Juden bewohnt. Es ist  denkmalgeschützt und wird zukünftig mit einzelnen Wohnungen vermietet werden.

Der erste Vorsitzende der Israelitischen Kultusgemeinde, Martin Arieh Rudolph, begrüßt das Ergebnis dieses Projekts, das nach einer längeren Entwicklung entstanden ist: „Wir haben uns leidenschaftlich für die Erhaltung und öffentliche Präsentation dieser geschichtsträchtigen Denkmäler eingesetzt. Sie sind Geschichtsspeicher und Erinnerungsort zugleich. Mit der Mikwe können wir künftig das älteste, noch sichtbar vorhandene Denkmal unserer jüdischen Gemeinde in Bamberg  präsentieren – ein wertvolles Kleinod jüdischer Stadtgeschichte.“ „Mit dem Dokumentationszentrum wird jüdisches Leben an dieser Stelle und der jüdischen Stadtgeschichte erlebbar gemacht. Das Denkmal ist ein Kulturschatz, der seine Geschichte erzählen kann. Unsere Sparkasse stellt auch bei diesem Vorhaben ihr nachhaltiges Engagement für unsere Region eindrucksvoll unter Beweis“, resümiert Landrat und stellvertretender Verwaltungsratsvorsitzender Johann Kalb.

Dr. Christian Lange, Zweiter Bürgermeister und Kulturreferent der Stadt Bamberg, zeigt sich erfreut: „Die Welterbestadt Bamberg wird um einen weiteren ‚Geschichtenträger‘ reicher. Das Dokumentationszentrum zur Mikwe ergänzt nicht nur die Ausstellung ‚Jüdisches in Bamberg‘, die ab 4. April im Historischen Museum zu sehen sein wird, sondern ist dauerhaft ein wahrer Erinnerungsspeicher für die jüdische Stadtgeschichte in Bamberg.“ Vorstandsvorsitzender Stephan Kirchner resümiert: „Mit dem Erhalt und der Erlebbarmachung der Mikwe haben wir unter Beweis gestellt, dass die Sparkasse Bamberg fachgerecht und sehr sensibel mit Denkmälern umgeht. Ich danke allen Beteiligten für die erfolgreiche Planung und Umsetzung des Dokumentationszentrums zur Mikwe.“

Mikwe, deutsch früher Judenbad, bezeichnet im Judentum das Tauchbad, dessen Wasser nicht nur der Hygiene, sondern der Reinigung von ritueller Unreinheit durch Untertauchen dient. Als rituell unrein gelten nach jüdischer Tradition zum Beispiel Tote Quelle: Wikipedia

Text: Pressestelle Sparkasse Bamberg