Pikante Lesung mit Tuvia Tenenbom in Bamberg

Pikante Lesung mit Tuvia Tenenbom in Bamberg
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“Allein unter Flüchtlingen” im Hübscher Buch- und Medienhaus präsentiert

Der israelisch-amerikanische Autor Tuvia Tenenbom präsentierte am Mittwochabend sein neuestes Buch “Allein unter Flüchtlingen” in der Bamberger Buchhandlung Hübscher. Sein dokumentarisches Werk sorgte in der angelagerten Diskussion für einigen Redebedarf.

Michael Genniges führte gewohnt routiniert in die Lesung ein. Aufgrund des sprachlichen Vorteils übernahm es der Leiter des Buch- und Medienhaus Hübscher dann auch selbst, aus Tenenboms jüngstem Werk “Allein unter Flüchtlingen” zu lesen.

Literarische Großreportage auf 234 Seiten

Seit Herbst 2015 ist ein bisweilen hoher Zustrom an Flüchtlingen fassbar. Etwa eine Million Menschen hat die Bundesrepublik seither in Deutschland aufgenommen. Viele erleben die Migrationsbewegung als eine Zäsur. Um deren Auswirkungen emotional wie literarisch fassbar zu machen, ist Tenenbom einmal mehr kreuz und quer durch die Republik gereist. Tenenbom, Jahrgang 1957, schildert herzliche wie wenig schmeichelhafte Eindrücke aus Flüchtlingsheimen und Gesprächen mit Max Mustermann.

Er wollte wissen, was die wahren Gründe der “Willkommenskultur” waren, warum Deutschland ein großes Herz gezeigt, aber immer noch keinen Plan hat und befragte Gregor Gysi, Volker Beck oder Kardinal Reinhard Marx, ebenso wie Frauke Petry, Lutz Bachmann oder Akif Pirinçci. Das Ergebnis ist eine provokante, streitbare Großreportage auf 234 Seiten.

Seine Studie über die aktuelle deutsche Wirklichkeit will aufrütteln und erschüttern. So bekräftigte der jüdische Denker und Zeit-Essayist: “Ich bin eine Art trockener Intellektueller. Ich verstecke mich nicht in der Universität oder einem Büro, ich gehe auf die Straße und treffe Menschen.” Insgesamt hat er den Anspruch, eine neutrale Position in der Darstellung einzunehmen.

Kontroverse Diskussion mit dem Publikum im Anschluss

Der offen geführte Diskurs ist dabei von zentraler Bedeutung. Mit viel Leidenschaft beantwortete und konterte der Gründer des “Jewish Theater of New York” die Fragen des geladenen Christoph Houswitschka, Professor der Englischen Literaturwissenschaft an der Universität Bamberg. Auch zahlreicher Wortmeldungen aus dem Publikum, das mitunter konträre Erfahrungen zu Tenenboms Schilderungen gemacht hatte, musste sich der, auf sein bestätigendes Videomaterial verweisende, Autor erwehren.

Zum Ende übernahm es seine Frau und Übersetzerin Isi, den Anwesenden für den gelungenen Abend und die scharfen Beiträge zu danken. Zuletzt erschienen Tenenboms Bestseller “Allein unter Deutschen” (2012), “Allein unter Juden“ (2014) sowie “Allein unter Amerikanern” (2016).

Fotos: Frank Märzke